Besuch

Die Freundin ist wieder rübergebracht und es kehrt bei Hörbuch und Tiptoistift Ruhe ein. Timo ruft mich ins Bad, damit ich ihm helfe. Er fragt mich, in einem Ton, der es als Selbstverständlich ansieht, er einfach nur den Grund wissen möchte: „Warum liegt Moritz bei uns im Stuhl?“

„Wieso? Wo liegt den Moritz?“

„Im lila Zimmer, auf dem Stuhl!“

Als ich aus dem Bad gehe, läuft der Nachbarskater schon durchs Treppenhaus. Wie gut, dass wir soviel Türen haben, die man schließen kann. So ist er – mit einem Umweg über den Keller – schnell wieder hinausgeschleust.

Fassenachtsdienstag

Zwei Partys am Wochenende haben Spaß gemacht, scheinen den Bedarf aber gedeckt zu haben. Immerhin mal Polizist und einmal Löwe gewesen zu sein war toll. Lina blieb der Annaaufmachung von „Anna&Elsa“ die vergangenen Tage treu.

Heute Fete in der Kita.

Lina wirkt beim Abholen in der Kita kränklich. Rote Wangen, Laune im Keller, ihr sei kalt.

Na sowas , war es doch Timo, der heute morgen Bauchweh vorschob, um nicht in der Kita zu bleiben. Er scheint dem Fassenachtspektakel ein wenig überdrüssig. Gestern noch Tierarzt Dr. Timo lies er sich heute auf gar kein Kostüm ein.

Der Deal „Es mal zu probieren, ansonsten rufen mich die Erzieher an“ war für Timo dann ok. Er blieb in der Kita.

Nun ist er fit und wir wollen zum Umzug im Nachbarort. Lina wird dick eingepackt. Einfach probieren und schauen was geht ….

Das Polizeiaufgebot, die abgesperrten Straßen,…. kennen beide nicht anders. Die Streifenwagen und der große Lastwagen werden bewundert und gut ist.

Als Lina das Startauto sieht hüpft sie aufgeregt, lacht und alle Unpässlichkeiten sind verflogen.

Putzmunter düst sie umher, strahlt, bringt die gesammelte Beute zum Korb. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir soviel bekommen.“

Mamas Taktik, sich unter eine mit bestgelaunten Frauen gefüllte Terasse zu stellen geht auf. Was nicht oben landet, fällt direkt auf uns runter.

Hat Timo anfangs noch Angst vor der Lautstärke gehabt, sammelt auch er in sein kleines Körbchen, oder bekommt Dinge zugesteckt. In dem Alter funktioniert ja noch das Kindchenschema. Und immer wieder gibt es gerade ältere Menschen, die für die kleineren Mitsammeln, die noch nicht so schnell sind.

45 Min später ist der Zug vorbei. Es war nicht zu laut. Keine angsteinflössenden großen Masken. Das Ohrenzuhaltenmüssen war vergessen. Sogar ein paar Bekannte Gesichter haben die Kinder entdeckt und freudig begrüßt. Timo hat einen Lolli im Mund, packt bereits ein Bonbon aus.

„Timo du hast doch noch den Lolli im Mund.“

Timo: „Ich bereite das Bonbon nur schon mal vor.“

„Lina, wie gehts dir?“
Lina: „Mir gehts wieder gut. Ich habe nur ein paar Bonbons gebraucht.“

Prioritäten eines Dreijährigen

Timo vermisst seine alte Gruppe. Ich frage ihn, was er denn vermisst und er zählt mir lauter liebgewonnene Personen auf. Ich erzähle ihm, dass eine Erzieherin bald ein Baby bekommt.

Timo: Wie kommt ein Baby in den Bauch?

Mama, *wer alt genug ist für eine Frage, ist alt genug für die Antwort* : Papa und Mama haben sich ganz doll lieb und kuscheln und umarmen sich. Dann steckt der Papa seinen Penis in die Scheide der Mama. Dabei entsteht das Baby, dass dann im Bauch der Mama wächst.

Timo: Achso.

Grübelt

Timo: Ich will dabei zutucken?

Mama: Du willst dabei zutucken?

Timo, bestimmter: Zugucken.

Timo grübelt, schüttelt den Kopf, als hätte er was falsches gesagt.

Timo: Ich will lieber Sandmann gucken.

Fräulein

Auf dem Weg in die Kita fahren wir jeden Tag an einer Pferdekoppel vorbei. Lina hat sich in einen Apfelschimmel verguckt.

Lina: Schade, dass ich nicht auf der Apfelstute reiten kann.

Timo: Was ist eine Stube?

Mama: Eine Stube ist ein Zimmer. Lina meinte eine Stute. Was ist eine Stute?

Timo: Ein Mamapferd.

Mama: Ja eine Pferdefrau. Sie kann auch noch keine Mama sein.

Lina: Sind nicht alle Frauen Mamas?

Mama: Mama ist man, wenn man ein Kind im Bauch hat, oder auf die Welt gebracht hat.

Lina: Und verheiratet ist.

Mama: Man kann auch unverheiratet sind. Früher hat man zu unverheirateten Frauen „Fräulein“ gesagt. Das macht man heute aber nicht mehr.

Lina: Oder „Freundchen“.

Engel mögen dich begleiten

Timo war am Wochenende schon krank. Nun kam die Krankheit am Abend wieder zurück.

Ich ahnte es schon, nachdem er schlaflos zu mir ins Bett kam, sein Bauch im Fünfminutentakt
Trinken wollte und er sich so rumwältzte.

„Gleich will die Übelkeit raus“
2 min später brach Timo tapfer in die Schale.

Danach war er total aufgedreht, wollte spielen. Als Kompromiss wünschte er sich, dass ich ihm das Buch mit den Weihnachtsliedern vorsinge.

Ich habe Timo „Alle Jahre wieder“ vorgesungen und „steht auch DIR zur Seite…“ umgedichtet. Dann hab ich gesagt:
„Bei dir ist auch immer ein Engel, der auf dich aufpasst.“
Und Timo antwortete mit einer sichtbaren Erkenntnis : „Ach der ist das!“