Bis kurzvorzweiundzwanzig Uhr

Irgendwann kommt dieser Punkt. Nach Abendessen, Badezimmer, Vorlesen, kuscheln und vielleicht einer kurzen Massage oder Hörbuchgeschichte da wird es ernst. Schlafenszeit. Meinen Mama und Papa. Timo ist da anderer Meinung. Und das tut er kund. Irgendwann auf den Wegepunkten zwischen Esstisch und Hörbuch passiert es. Meistens auf dem Weg ins oder ums Bad herum. Timo dreht auf. Und da gibt er alles. Zwischen Quatsch machen, „MeineBeinetunweh“-hinfallen, „Ichbinnochnichtmüde“, weglaufen, verstecken, Sitzblockade, …… sein Einfallsreichtum ist groß und vor allem laut und für die Alphatiere im Haus energieraubend.

Corona und die damit verbundenen psychische und physische Unausgelastetheit durch Kita-, Hobby-, Freunde- und Sportentzug tun ihr Übriges. Hat uns seine aktuelle Lautstärke, seine bohrenden Fragen und der restliche Redefluss noch nicht am Nervenkostüm gekratzt, jetzt tut es das.

Die Nerven liegen abends blank, die elterliche Zündschnur ist stark verkürzt.

So war es die Tage wieder soweit. Timo war wach, putzmunter, voller Energie und sämtlichen verbalen Kraft- und Machtkämpfen mit der Mama im vollen Umfang gewachsen.

Um 20:30 gab Mama entnervt auf und hatte noch eine einzige letzte Idee:

„Timo? Bist du noch fit?“

Dieser überrascht, was diese Frage den überhaupt sollte. Der Schlafanzug war vielleicht ein Zeichen der Tageszeit, aber doch keine Kapitulation. „Ja!“ (Mehr Worte braucht ein in sich gefestigter Timo in solchen Momenten nicht.)

„Zieh dich an, wir gehen raus“

– „So mit Schuhen, richtig raus?“

„Ohja, so richtig raus. Wir gehen jetzt Spazieren“. (In meinem Kopf klang das zu diesem Zeitpunkt noch mehr nach einer wahrwerdenden Drohung.)

„Ohja!“ freudig hüpfte er aus der Windel heraus und in den Trainingsanzug hinein. (Wenn es umgekehrt doch aus so schnell funktionieren würde) Ich kratzte sämtliche mentalen Energiereserven zusammen. Wut hatte ich genügend im Bauch.

Was folgte war tatsächlich ein…. Spaziergang kann man das nicht nennen. Dafür war es zu schnell…. eine Wanderung. Sowas zwischen 45 und 60 Minuten im strammen Schritt. Zumeist Hand in Hand. (Ist ja schon ein wenig unheimlich bei untergehender Sonne draußen). Die üblichen Pausenpunkte ließ ich, der inneren Wut und überschüssigen Kinderenergie angemessen, ausfallen und wir liefen einfach durch. War ich auf ein knatschendes, müdes, sogar zu tragen müssendes Kind gefasst, hielt Timo erstaunlich tapfer durch. Selbst bei der Abschlussteigung. Die Wut in meinem Bauch verrauchte, die überschüssige Timoenergie lief sich ab. Und die körperliche Nähe durch die warme Kinderhand in meiner Hand tat uns beiden gut und versöhnte uns wieder.

Gegen *Kurzvorzehn* (!!!) und nach 10 Minuten zum zweitenmal im Bett liegend war Timo endlich eingeschlafen.

Ein Becher Freundlichkeit

Nach einem Tag mit viel Linaaaaa, neinjetzt dasgehtmiraufdenWecker, Kannstdunichtmal, nunhördochauf, Mussichschonwieder, ichärgeremich, Tränen und viel BUMMFIEDEL habe ich mich mit Lina versöhnt und gekuschelt. Der Kuschelakku war bei uns beiden leer.

Zur Versöhnung schenkte sie mir ein Wasserfarbengefärbtes Glas mit Freundlichkeit.

Das bleibt als Mahnmal erst mal stehen.

Wir haben ein verdammt hohes Niveau der Streitkultur.

Der krönende Abschluss

Lina gleich beim Mittagessen einem *dasWortmußnochErfungenwerden. Die Worte poltern nur so aus ihr heraus. Sie fragt, erzählt, kommentiert. Es wird für unsere Ohren anstrengend.

2 Pfannkuchen wandern nebenbei auch noch in ihren Bauch. Verziert mit diversen Essenkreation. 

Irgendwann bittet sie noch um einen Nachschlag aus Kirschen und Mamillesosse. 

„Lina wir machen jetzt einen Versuch. Dein Mund geht jetzt nur noch auf zum Essen. Es kommt nichts heraus, was mit einem Wort oder mit Sprache zu tun hat.“

Lina nimmt die Challenge an. Es fällt ihr sichtlich schwer. Tapfer isst sie Löffel für Löffel, genießt und wir genießen ebenfalls. Die Stille. Diese Ruhe.

2 genußvolle Minuten später wendet sie sich zu Oma, streckt ihr den Zeigefinger entgegen und sagt: „Oma, zieh mal am Finger!“

Touché

Papa: „Lina – räumt bitte noch Euer Zeug auf dem Boden auf bevor du mit Mama los fährst.“

Lina: „Warum?“

Papa: „Weil ich diese Unordnung nicht leiden kann.“

Lina zieht mürrisch ab und murmelt in ihren imaginären Bart: „Dann wirf doch mal einen Blick in deine Werkstatt.“

😳

Statusmitteilung

Mamanächte


Das Schlafzimmer glich einem Bahnhof. Ich bin glaube, ich bin 3-4x raus wegen „Mamaaaa“, oder Linas husten. Beide zogen irgendwann dann zu mir. Papa schlief vorsichtshalber schon unten.
Heute morgen tönte es dann um 7:30 vom Klo „Fäääärtig!“

Bis eben (9:45) etappenweise nochmal geschlafen. Zwischendrin „Ich habe Hunga“, „Kann ich IPad?“ , „Kann ich in deinen Arm?“, „Ich will in deinen Arm!“ und eiskalten Kinderfüssen unter der eigenen Bettdecke.

Statusmitteilung

Geschwisterfrust

Wenn man müde und abgekämpft ist und einen Tag mit vielen neuen Ansprüchen und Eindrücken hinter sich hat, dann kann man mental schon mal angekratzt sein. Und wenn dann nich die große Schwester oder der kleine Bruder nerven, dann muss der Frust wohl raus.

Und das sehr lautstark.

Das gegenseitige Anbrüllen gehört dann wohl dazu. Mama hörte staunend zu, blieb selbst erstaunlich ruhig, ging mit beiden an die frische Luft um die erhitzten Gemüter an der Meeresluft abzukühlen.

Faschingsverkleidungen

Elsa ( Bronchitis) und Feuerwehrmann ( Übelkeit mit Spuken) bleiben beide zuhause.

Papa geht als Bürohengst mit technischer Zusatzqualifikation und Mama als Irre kurz vor der Einweisung 👩‍🦰🤪

Wir machen unsere eigene Party mit Luftschlangen, Schokoküssen (partiell), Salzbrezeln an der Schnur und Partytänzen (um das Inhaliergerät)

2 Mamas + 4 Kinder und was dabei herauskommen kann

Zwei Mamas sitzen plauschend am Esstisch. Die zwei Töchter spielen oben, die jüngeren Söhne unten. Manchmal vermischen sich hie und da die Spielorte und Spielkombinationen. Prinzessin, Patient, Handwerker, die komplette Palette des Rollenspieles wird angekratzt

Irgendwann sind drei Kinder oben, der Filius spielt mit dem Werkzeugkasten des Kumpels zufrieden unten.

Die Mamas plaudern fleißig, als der einen schon längeres wasserrauschen aus dem obigen Stockwerk bewusst wird. Nur ab und zu mal eine Kinderstimme oder ein Kichern dringt nach unten.

Beim Anklopfen an der Badtür ist diese verschlossen. Man könne nicht öffnen, man säße in der Badewanne. Ungläubiges Staunen und Kopfkino bei den Mamas, fröhliches Kindergelächter von innen.

Da hat wer Spaß!

Eine Münze zum Türöffnen wird besorgt. Beim Anblick, der sich bietet müssen auch die Mamas schmunzeln.

Die Kleidung liegt verstreut auf dem Boden. In der Wanne drei überaus zufriedene Kinder. Die fünfjährigen Mädels rahmen den bald dreijährigen im ziemlich warmen Wannenwasser ein. Alle Leben und sind wohl auf. Und vor allem: sie sind glücklich!

Nur wenige Wassertropfen dekorieren den Badezimmerboden.

„Das hat heute richtig Spaß gemacht. Das war toll mit dir in der Wanne“, erklingt es beim Abtrocken und Anziehen.