Birnenoptimismus

Lina: Wie malt man eine Birne?
Der Obstkorb gibt gerade keine Birne her. Aber an der Decke hängt ein Leuchtmittel in Birnenform.
Timo beschreibt derweil die benötigten Farben.

Lina malt ihren ersten Versuch auf ein Blatt Papier. Sie ist unzufrieden.
Lina: So schaut keine Birne aus.
Timo: Das schaut aus wie ein Pilz.
Lina dreht das Blatt um und malt ihren zweiten Versuch. Der Umriss der Birne ist noch ein wenig eckiger geworden. Lina flucht und reißt das Blatt wütend in die Luft hoch und knallt es auf den Tisch.
Lina: Ich kann nicht malen.
Timo: Pilze kannst du gut malen.

Mama, kann ich alles machen was ich will?

Nein!

Kannst du alles machen, was du willst?

Nein!

*fragender Blick

Ich kann alles machen, solange ich niemanden störe, oder Verletze.

Wer ist der Bestimmer? Die Polizei? Und die Feuerwehr?

Es gibt Gesetze, und die Polizei schaut, dass die Gesetze eingehalten werden. Und es gibt Regeln, damit wir hier zusammenleben können und sich alle wohlfühlen.

( *so kurz die Sätze sind, so schwer ist auch die Umsetzung und Auslegungssache. Timo scheint die Antwort erst mal neues Nachdenkfutter gegeben zu haben. Er ist leise und mümmelt sein Frühstücksbrötchen weiter.)

Der Tod und ein Eimer Wasser

Seit ein paar Tagen verfolgen wir als komplette Familie die Fernsehserie von einem amerikanischen Landtierarzt. Wir sehen die Folgen der Begegnung von einem Hund mit einem Stinktier, wie Hengste zum Wallach gemacht werden, Hunde nach Unfällen geröntgt und Kälber bei schweren Geburten aus Mutterkühen gezogen werden. Dies sorgt für viele Fragen und Gesprächsstoff.

Timo bekam mit, dass aus unserer alten Heimat ein Nachbar verstorben ist. Er macht sich so seine Gedanken:

Man müsse ihm doch nur einen Eimer Wasser über den Kopf schütten, dann steht der bestimmt wieder auf.

Die Sache mit dem Kaffee

Lina macht Ostern morgens Frühstück. Sie deckt mit selbstgemachte Tischsets und gemalten Eiern den Tisch. Und machte Kaffee.
Sie weiß, dass für Oma das Rädchen ganz rechts stehen muss (Kaffee) und für Papa ganz links (Espresso)


„Für Papa musste ich mindestens 10x draufdrücken, damit der so viel hatte , wie Oma.“

Besuch

Die Freundin ist wieder rübergebracht und es kehrt bei Hörbuch und Tiptoistift Ruhe ein. Timo ruft mich ins Bad, damit ich ihm helfe. Er fragt mich, in einem Ton, der es als Selbstverständlich ansieht, er einfach nur den Grund wissen möchte: „Warum liegt Moritz bei uns im Stuhl?“

„Wieso? Wo liegt den Moritz?“

„Im lila Zimmer, auf dem Stuhl!“

Als ich aus dem Bad gehe, läuft der Nachbarskater schon durchs Treppenhaus. Wie gut, dass wir soviel Türen haben, die man schließen kann. So ist er – mit einem Umweg über den Keller – schnell wieder hinausgeschleust.

Fräulein

Auf dem Weg in die Kita fahren wir jeden Tag an einer Pferdekoppel vorbei. Lina hat sich in einen Apfelschimmel verguckt.

Lina: Schade, dass ich nicht auf der Apfelstute reiten kann.

Timo: Was ist eine Stube?

Mama: Eine Stube ist ein Zimmer. Lina meinte eine Stute. Was ist eine Stute?

Timo: Ein Mamapferd.

Mama: Ja eine Pferdefrau. Sie kann auch noch keine Mama sein.

Lina: Sind nicht alle Frauen Mamas?

Mama: Mama ist man, wenn man ein Kind im Bauch hat, oder auf die Welt gebracht hat.

Lina: Und verheiratet ist.

Mama: Man kann auch unverheiratet sind. Früher hat man zu unverheirateten Frauen „Fräulein“ gesagt. Das macht man heute aber nicht mehr.

Lina: Oder „Freundchen“.

Halloween

Lina äußerte im Auto heute morgen, Halloween feiern zu wollen. Sie erklärte mir, man würde rumlaufen und Süßigkeiten einsammeln. Und man könne sich verkleiden. Vorrangig faszinierten sie die Süßigkeiten. Aktuell fände sie kaubonbons toll. Da ich kein Freund von Halloween bin erklärte ich ihr, dass es viele Feste gibt. Zu unserer Kultur gehört Halloween nicht. Wir feiern ja auch kein Passah- oder Zuckerfest. Auch kein Ramadan.

Wenn es ihr so wichtig sei, können wir ja was eigenes machen.

Ich besorgte also Kaubonbons, ein wenig Knabberkram und Monsterfinger in Form von Madlaines.

Die Madlaines gab es schon auf unserer Heimfahrt. Zuhause angekommen verkleidete sich Lina als Ballerina, schmückte das Wohnzimmer mit drei gemalten Kürbisbildern und ich stellte das Zelt auf. Die Toniebox lies Partymusik dudeln und fertig war unsere kleine private Halloweenparty. Waren die Kinder vorher noch total aufgedreht, tanzte Lina hier im Wohnzimmer, Timo hüpfte auf dem Sofa und beide haben sich mit 5 Kaubonbons zufrieden.

Ziemlich schnell kehrte Ruhe ein, beide spielten friedlich und der Spuk hatte ein Ende. wenn es doch immer so einfach ginge. Mal schauen, wie es nächstes Jahr wird.