Ungeziefer im Naschgarten

Die ersten Minigurken sind reif. Zwei gab es letzte Woche schon zum Abendbrot.

Die heutige Gurke wollte Lina in die Küche bringen, als sie doch glatt Bissspuren einer Schnecke auf der Gurke entdeckte.

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Pulleralarm

Mama liegt mit beiden schlafenden Kindern im Bett und hört Hörbuch. Plötzlich hört sie im stockdunklen Schlafzimmer Pullergeräusche. Mächtig lange Pullergeräusche.

„Lina?“ (Könnte ja auch die Katze sein)

„Ja?“

Mama reckt den Hals. Sieht nix. Recht noch mehr. Immer noch Pullergeräusche. Sieht schemenhaft Lina vor dem Bett knien.

„Bist du auf dem Töpfchen?“

„Ja“

„Wow“

Mamas Augen gewöhnen sich an die Dunkelheit und erkennen das Töpfchen. Hinter Lina. Immer noch Pullergeräusche.

*seuftz*

Lina im Gästeklo. Eingeschlossen.

Türklinkenrapeln aus dem Gästeklo. „Mama“, „Mamaaaaa“ „Mamaaaa, komm mal“

Irgendwann höre ich, dass es doch dringender ist.

Die Tür ist zu.

„Lina?“

„Mama, ich habe die Tür zu geschlossen. Und jetzt bekomme ich sie nicht mehr auf.“

„Oh“

Lina ist erstaulich ruhig. Ich gucke durch das Schlüsselloch. Ich weise sie an, den Schlüssel noch mal richtig herum zu drehen. Doch es will nicht klappen. Pläne im Kopf zurechtlegen.

„Lina, ich suche mal einen Ersatzschlüssel. Das dauert einen Moment.“

Kein Schlüssel passt. Neuer Plan.

„Lina, ich hole Werkzeug aus dem Keller. Das dauert einen Moment.“

„Mama, du musst den Papa holen.“ (Papa liegt mit Grippe im Bett niedergemäht. Den könnte ich noch nicht mal zur körperlichen Anwesendheit rufen.

Mit der Zange bekomme ich den Schlüssel nicht zu fassen.

„Lina, ich gehe nochmal in den Keller. Zur Not müssen wir die Tür kaputt machen. Aber raus kommst du. Es dauert nur ein bisschen“

„Ist gut!“

Neue Pläne im Kopf. Mit versierten Nachbarn. im Hinterkopf lassen. Brauchen wir nicht.

„Mama, eine Spinne!“

„Und? Wie groß ist sie?“ betont gelassen.

„Mittelgroß“

„Na dann geht’s ja“

„Aber Mama, die hat mir zugezwinkert.“

Schön, dass unsere Tochter in solchen Momenten ihren Humor behält.

Weiterer Kellergang. Nächste Zangencharge. Rumgefriemel an der Tür.

„Mama, ich glaube, wir brauchen die Feuerwehr.“

*rumfriemel

Brauchen wir die Feuerwehr? Hmmmmm. Nö. Schaffen wir so. Zwischendrin möchte Timo JETZT unbedingt auf den Schoß. Und nen Stinker hat er auch.

„Nee, ich bekomme das bestimmt auch hin. Ich muß nochmal in den Keller. Nen Schraubendreher holen“

„Mama, hol doch den Papa!“

Schön, dass Lina das Vertrauen in ihren Papa hat, solche Situationen hinzubekommen. Mein Ehrgeiz ist noch erst recht angestachelt. *Friemel

„Lina, dreh nochmal und drücke gegen den Schlüssel, damit er nicht rausfällt.“ *weiterfriemel

*klick

Die Tür ist auf.

„Mama, wie hast du das geschafft?“

Ich nehme Lina in den Arm und lobe sie, dass sie so prima ruhig geblieben ist. Dann folgt nochmal ein kurzes Gespräch über Schlüssel im Allgemeinen und die Nutzung von Schlüsseln durch Lina und Timo im Besondern.

Mama, bekommst du noch ein Baby, wenn Timo weg ist?

Morgens im Türrahmen, beim rausgehen.

Ich: „Wie meinst du das?“

Lina: „Na, wenn Timo mal stirbt. Bekommst du dann noch ein Kind?“

Lufteinziehen. Ausatmen. Kopfkino ausstellen. Es ist die Frage einer Vierjährigen.

Ich: „Nein Lina. Ich bekomme keine Kinder mehr. Und kein Kind könnte Euch ersetzen. Euch gibt es doch nur einmal. Ich hoffe, dass Timo oder Du gaaaaaaaanz alt werden.“

Lina: „Aber alle sterben mal.“

Ich: „Ja, das stimmt. Aber ich hoffe, das Ihr zwei noch gaaaaanz lange lebt. Das wäre ganz schlimm für mich und Papa.“

Mama kommt ins Bad

„Mama, guck mal: Wir trinken wie die Katzen. “

Lina und Timo knien im Vierfüsslerstand auf dem Badezimmerboden. Vor/unter ihnen die mit Wasser gefüllten Trockenfutternäpfe unserer Katzen.

„Lina. Das sind doch die Näpfe der Katzen. Das kann euch krank machen. “

„Nee, Mama. Wir haben die doch vorher sauber gemacht.“

Plastiktüten und die Folgen

Lina bekommt von Papa eine Tüte in die Hand gedrückt mit der Bitte, diese in den Müll zu werfen.

Auf dem Weg zum Mülleimer kommt Lina die Idee die Tüte als Helm zu nutzen. Mit Plastkeimer geht das ja schließlich auch. Mama hört nur ein scharf gerufenes „Lina!“ von Papa der sich mächtig erschrocken hat bei dem Anblick. Hängt doch über uns Eltern die Erinnerung an die Story vom Onkel, der in der Kita mit gleichen Plänen schon mit Sauerstoffmangel schwankend noch gerade rechtzeitig von der Erzieherin entdeckt wurde.

Papa erklärt Lina, was passieren kann. Lina will es genau wissen.

„Da kannst du Ersticken !“

„Was ist Ersticken?“

„Wenn du keine Luft holen kannst und dann stirbst“

Sterben? Tod? Das verbindet Lina direkt mit Opa Rainer und Kater Merlin.

„Hat Opa Rainer sich auch eine Tüte über den Kopf gezogen?“

„Nein, der war schlimm krank“

„Woran kann man sterben?“

Ach Lina….

Fragen einer Vierjährigen …….