Lina, die Phantasie und Kuscheltiere

Oma war beim Friseur. Das erste Mal seit Corona. Zur Feier des Ausfluges gab es Geschenke für die Enkel. Timo bekam einen echten Feuerwehrmann Sam Hut und Lina das Stoffeinhorn Vanilla. Und mit Vanilla ist die Phantasie eingezogen.

Lina ist Realist durch und durch. Als Puppenmama war sie phasenweise recht fürsorglich, aber Butter bei die Fische, es sind halt Puppen. Beim Auszug von Kater Tommy gab es von der neuen Katzenbesitzerin eine Stoffkatze zum Trost. Und „Katze“ war nun jede Nacht an der Seite von Lina. Auch kam sie hie und da bei wichtigen Terminen, wie dem Zahn- oder Kinderarzt mit. Aber es war halt eben nur ein Stofftier.

Lag es nun an den Geschichten von „die Schule der magischen Tiere“ oder speziell an Vanilla: Lina fing an intensiv mit ihr zu spielen und – ganz neu- mit ihr zu reden.

Als Oma wieder in ihr eigenes Zuhause zog bekam sie ein Stofftier mit zum Kuscheln. „IA“ der Esel.

Oma freute sich sehr über das heimlich eingepackte Kuscheltier und bedankte sich nach ein paar Tagen beim Telefonat mit Lina.

Lina: „Fütterst du IA auch?“

Oma war hörbar überrascht. Reagierte aber sehr geschickt. „Hätte ich das tun sollen?“

Lina, sehr nachsichtig mit der Oma: „Na sonst verhungert er doch!“

Oma, zögerlich, da sie sich über den Sinneswandel ihrer Enkelin wundert: „Aber es ist doch ein Kuscheltier?“

Lina: „Vanilla füttere ich auch, ich gebe ihr immer etwas vom trockenen Müsli ab!“

*WerbistduundwashastdumitunsererTochtergemacht?

Wackelzahn

Seit Monaten hat Lina den Moment herbeigesehnt. Markiert er doch sichtbar im Gesicht, dass man groß wird und bald in die Schule geht.

Heute beim Mittagessen meinte Lina, dass das beißen in den Maiskolben nicht ginge, das würde wehtun. Ich äußerte den Gedanken, dass es ja sein könnte, das im Kiefer etwas passiert und vielleicht bald die Zähne zu wackeln beginnen. Lina sprang direkt vom Platz auf, flitzte um den Tisch und schluckte noch schnell runter. Dann musste ich alle Zähne testen, ob da vielleicht einer wackelt.

Und tatsächlich. Gleich beide unten! Das Straheln wurde immer grösser. Endlich, Endlich ist sie ein Wackelzahnkimd. Lina hüpfte vor Freude im Zimmer herum und zeigte auch gleich Papa die Zähne. Auch der musste testen. Und Papa testete nicht nur, der guckte auch gleich mit seinen Argusaugen näher hin und entdeckte schon einen durchgebrochenen neuen Zahn, direkt hinter den Wackelzähnen. Das Corpus delicti wurde fotografiert, damit Lina es auch sehen konnte.

Auch wollte Lina gleich die Zahndose haben. Und zwar sofort. Und da wurde uns klar, warum Lina in den letzten Tagen so komisch ist. Die Wackelzahnpupertät. Es tut sich schließlich was im Körper.

Heute Abend dann die nächste Erkenntnis. Wackelzähne sind doof. Man hat Lust dran rumzuwickeln, aber das fühlt sich doof an, und im Kiefer tut es auch weh. Lina scheint durch ihr gesteigertes Körperempfinden auch das stärker wahrzunehmen.

Warum wollen denn alle Wackelzähne haben? Das ist voll doof. Das tut weh.

Ich habe Lina getröstet und ihr erzählt, dass sie die ganzen Zähne schon einmal bekommen hat, und da war sie noch viel viel kleiner. Sie hat das schon einmal geschafft. Und dann gab es wie in diesen Zeiten, die schon lange vorbei sind und an die sie sich Gottseidank nicht mehr erinnern kann noch Globulis.

Ein Becher Freundlichkeit

Nach einem Tag mit viel Linaaaaa, neinjetzt dasgehtmiraufdenWecker, Kannstdunichtmal, nunhördochauf, Mussichschonwieder, ichärgeremich, Tränen und viel BUMMFIEDEL habe ich mich mit Lina versöhnt und gekuschelt. Der Kuschelakku war bei uns beiden leer.

Zur Versöhnung schenkte sie mir ein Wasserfarbengefärbtes Glas mit Freundlichkeit.

Das bleibt als Mahnmal erst mal stehen.

Wir haben ein verdammt hohes Niveau der Streitkultur.

Die Sache mit dem Kaffee

Lina macht Ostern morgens Frühstück. Sie deckt mit selbstgemachte Tischsets und gemalten Eiern den Tisch. Und machte Kaffee.
Sie weiß, dass für Oma das Rädchen ganz rechts stehen muss (Kaffee) und für Papa ganz links (Espresso)


„Für Papa musste ich mindestens 10x draufdrücken, damit der so viel hatte , wie Oma.“

Das innere Befinden

Papa erzählt:

Timo wird nach etlichen Ermahnungen von der abendlichen Vorleserunde ausgeschlossen.
Er kommt runter zu Oma und Papa und versucht dort Anschluss zu finden. Oma – gerade am Aufbrechen ins eigene, temporäre Schlafgemach – nimmt sich der Sache an und bringt den Sprössling ins Bett.

Doch Timo WILL nicht schlafen. Er weint, lärmt, sucht nach Aufmerksamkeit.

Dann ruft er Richtung Wohnzimmer: „Papa, ich hab Angst“. Damit wird er Papa schon in Panik versetzen können und er würde sicherlich heldenhaft zur Rettung eilen. Aber weit gefehlt. Papa ruft zurück: „Ach Timo. Du hast keine Angst, du willst nur nicht alleine sein.“

Die Antwort hat mich dann erstaunt: „Papa, das stimmt nicht. Du weisst gar nicht was in mir vorgeht!“

😲😲😲😲

Der Schnauzer

Papa will sich den Bart abrasieren.
Lina, zeigt auf den Bereich zwischen Nase und Oberlippe: „Aber das da soll stehen bleiben!“
Mama, protestiere: „Nein!“
Papa, neugierig: „Warum denn?“
Lina: „Weil man sich dann wie in Eschwege fühlt. Wir waren da so lange nicht mehr.“

Sich freuen können

Vorhin kam das Faschingskostüm für Timo an. Second Hand in einem Tiptopzustand.

Timo packte es glucksend, jauchzend und hüpfend aus. Ein Lolli fiel heraus und machte die Verkleidung perfekt. Den ganzen Nachmittag war er Polizist und schaute zum Auffressen aus.

Lina durfte dann endlich auch ihr Annakostüm anziehen. Und sie reagierte genauso freudig. Quiche noch dazu „Ich freu mich so, ich freu mich so.“

Dieses sich-freuen-können habe beide als Gen in sich verwurzelt. Und es muss kein Faschingskostüm sein, damit sie so reagieren. Ich wünsche beiden, dass sie diese Eigenschaft immer in sich tragen. Denn wenn es nach außen kommt und man es sehen kann, ist es ansteckend und herzerwärmend.