Vorlesen

Morgens früh. Timo kuschelt in meinem Arm. Aus Linas Bettseite klingt es leise:

„Mama? Kann ich zu dir kommen?“

-„Klar!“

Mit einem klitzekleinen Bilderbuch klettert sie vorsichtig über die Bettkante und Papa zu uns in die Ritze. Die aufgeschlagene Bettdecke wartet auf sie. Die legt sich neben Timo.

„Schau mal“, sagt sie ganz leise zu Timo gewandt , „ich hatte dir doch gestern versprochen das Buch weiter vorzulesen. “

„Was ist das?“ – Timo: „Puppe“

„Mama, der Timo hat Puppe gesagt“

„Und das?“ – „Kuggl“

„Timo, sag mal Ball. Ball!“

„Wie macht man Babys?“

Lina wäre nun also aufgeklärt.

Leider hatten wir nur kurz Zeit. (Es klingelte nämlich nach 3 Sätzen an der Tür) Mehr braucht es für die erste Frage ja auch nicht.

Und eigentlich kamen wir über das Thema „Geduld“ auf Linas Frage.

Ich erzählte ihr nämlich, dass ich mich 24h ganz dolle in Geduld üben und ein wenig ausruhen musste bevor ich sie das erste Mal kuscheln und auf der Welt begrüßen durfte .

Erst musste ich nach dem Loch im Bauch einmal Pippi machen können. Und als es so weit war, habe ich geweint vor Freude.

Wie eine Taube

Es war herzerweichend, wie unser Linchen sich vor der Klobrille kniend festkrallte. Tapfer, ganz tapfer darauf wartend, dass der Sturm in ihrem Magen abebbte.

Beim ersten Mal zuhause sagte sie noch „Mama, geh raus!“ Die nächsten Male „Mama du sollst mitkommen.“

Beim einen Mal hielt ich ihre Haare und Timo (mit erhöhter Temperatur und gleichsammen Aufmerksamkeitsbedürfnis) klammerte sich knatschend und mich hauend ans Bein. Das sind dann die besonderen Momente im Familienleben, dachte ich.

Beim andere Mal sagte Lina, gerade fertig: „Mama, ich habe Pippi in die Hose gemacht!“

-„Das macht nix Lina, das können wir gleich wegmachen.“

Beim Umziehen war es dann aber gar kein Pipi.

Lina kommentierte es auf ihre Art, kichernd: „Ich habe wie eine Taube gemacht!“

Gute Besserung, mein Mäuschen.