Birnenoptimismus

Lina: Wie malt man eine Birne?
Der Obstkorb gibt gerade keine Birne her. Aber an der Decke hängt ein Leuchtmittel in Birnenform.
Timo beschreibt derweil die benötigten Farben.

Lina malt ihren ersten Versuch auf ein Blatt Papier. Sie ist unzufrieden.
Lina: So schaut keine Birne aus.
Timo: Das schaut aus wie ein Pilz.
Lina dreht das Blatt um und malt ihren zweiten Versuch. Der Umriss der Birne ist noch ein wenig eckiger geworden. Lina flucht und reißt das Blatt wütend in die Luft hoch und knallt es auf den Tisch.
Lina: Ich kann nicht malen.
Timo: Pilze kannst du gut malen.

Wortspielereien

Lina hat ein Himmel und Hölle spiel in der Kita gebastelt. Sie bitte Timo:
„Sag mal eine Zahl!“
Timo: „Eine Zahl..“

Ich sage zu Lina: „Sag mal der Hahn der Hahn und nicht die Henne.“
Lina: „Der Hahn, der Hahn und nicht die Henne.“
Mama: „Nein, sag der Hahn der Hahn und nicht die Henne.“
Und nochmal sagt Lina: „Der Hahn der Hahn und nicht die Henne.“
Ich betone nun das „nicht“ deutlich und spreche ihr es nochmal vor. Und siehe da, bereits nach dem zweiten Mal unsere schlaue Tochter hat’s raus:
Lina: „Der Hahn der Hahn.“

Wo er recht hat,….

Timo spielt mit dem Staubsauger. Spielt saugen, nimmt die Teile auseinander. Als die Teile zu Schwertern und Springseilen werden breche ich das Spiel ab.

„Ich habe letztens ein Teil ersetzten müssen, weil du es kaputt gemacht hast. Ich möchte nicht noch ein Teil ersetzen müssen.“

Timo: „Aber wenn es bereits kaputt wäre, dann müsstest du nochmal eines nachkaufen.“

Ich schaue ihn ungläubig an. Er grinst schelmisch. Ich kann nicht anders und beginne zu lachen.

Das Spiel mit dem Staubsauger ist dennoch beendet.

Lina, die Phantasie und Kuscheltiere

Oma war beim Friseur. Das erste Mal seit Corona. Zur Feier des Ausfluges gab es Geschenke für die Enkel. Timo bekam einen echten Feuerwehrmann Sam Hut und Lina das Stoffeinhorn Vanilla. Und mit Vanilla ist die Phantasie eingezogen.

Lina ist Realist durch und durch. Als Puppenmama war sie phasenweise recht fürsorglich, aber Butter bei die Fische, es sind halt Puppen. Beim Auszug von Kater Tommy gab es von der neuen Katzenbesitzerin eine Stoffkatze zum Trost. Und „Katze“ war nun jede Nacht an der Seite von Lina. Auch kam sie hie und da bei wichtigen Terminen, wie dem Zahn- oder Kinderarzt mit. Aber es war halt eben nur ein Stofftier.

Lag es nun an den Geschichten von „die Schule der magischen Tiere“ oder speziell an Vanilla: Lina fing an intensiv mit ihr zu spielen und – ganz neu- mit ihr zu reden.

Als Oma wieder in ihr eigenes Zuhause zog bekam sie ein Stofftier mit zum Kuscheln. „IA“ der Esel.

Oma freute sich sehr über das heimlich eingepackte Kuscheltier und bedankte sich nach ein paar Tagen beim Telefonat mit Lina.

Lina: „Fütterst du IA auch?“

Oma war hörbar überrascht. Reagierte aber sehr geschickt. „Hätte ich das tun sollen?“

Lina, sehr nachsichtig mit der Oma: „Na sonst verhungert er doch!“

Oma, zögerlich, da sie sich über den Sinneswandel ihrer Enkelin wundert: „Aber es ist doch ein Kuscheltier?“

Lina: „Vanilla füttere ich auch, ich gebe ihr immer etwas vom trockenen Müsli ab!“

*WerbistduundwashastdumitunsererTochtergemacht?

Bis kurzvorzweiundzwanzig Uhr

Irgendwann kommt dieser Punkt. Nach Abendessen, Badezimmer, Vorlesen, kuscheln und vielleicht einer kurzen Massage oder Hörbuchgeschichte da wird es ernst. Schlafenszeit. Meinen Mama und Papa. Timo ist da anderer Meinung. Und das tut er kund. Irgendwann auf den Wegepunkten zwischen Esstisch und Hörbuch passiert es. Meistens auf dem Weg ins oder ums Bad herum. Timo dreht auf. Und da gibt er alles. Zwischen Quatsch machen, „MeineBeinetunweh“-hinfallen, „Ichbinnochnichtmüde“, weglaufen, verstecken, Sitzblockade, …… sein Einfallsreichtum ist groß und vor allem laut und für die Alphatiere im Haus energieraubend.

Corona und die damit verbundenen psychische und physische Unausgelastetheit durch Kita-, Hobby-, Freunde- und Sportentzug tun ihr Übriges. Hat uns seine aktuelle Lautstärke, seine bohrenden Fragen und der restliche Redefluss noch nicht am Nervenkostüm gekratzt, jetzt tut es das.

Die Nerven liegen abends blank, die elterliche Zündschnur ist stark verkürzt.

So war es die Tage wieder soweit. Timo war wach, putzmunter, voller Energie und sämtlichen verbalen Kraft- und Machtkämpfen mit der Mama im vollen Umfang gewachsen.

Um 20:30 gab Mama entnervt auf und hatte noch eine einzige letzte Idee:

„Timo? Bist du noch fit?“

Dieser überrascht, was diese Frage den überhaupt sollte. Der Schlafanzug war vielleicht ein Zeichen der Tageszeit, aber doch keine Kapitulation. „Ja!“ (Mehr Worte braucht ein in sich gefestigter Timo in solchen Momenten nicht.)

„Zieh dich an, wir gehen raus“

– „So mit Schuhen, richtig raus?“

„Ohja, so richtig raus. Wir gehen jetzt Spazieren“. (In meinem Kopf klang das zu diesem Zeitpunkt noch mehr nach einer wahrwerdenden Drohung.)

„Ohja!“ freudig hüpfte er aus der Windel heraus und in den Trainingsanzug hinein. (Wenn es umgekehrt doch aus so schnell funktionieren würde) Ich kratzte sämtliche mentalen Energiereserven zusammen. Wut hatte ich genügend im Bauch.

Was folgte war tatsächlich ein…. Spaziergang kann man das nicht nennen. Dafür war es zu schnell…. eine Wanderung. Sowas zwischen 45 und 60 Minuten im strammen Schritt. Zumeist Hand in Hand. (Ist ja schon ein wenig unheimlich bei untergehender Sonne draußen). Die üblichen Pausenpunkte ließ ich, der inneren Wut und überschüssigen Kinderenergie angemessen, ausfallen und wir liefen einfach durch. War ich auf ein knatschendes, müdes, sogar zu tragen müssendes Kind gefasst, hielt Timo erstaunlich tapfer durch. Selbst bei der Abschlussteigung. Die Wut in meinem Bauch verrauchte, die überschüssige Timoenergie lief sich ab. Und die körperliche Nähe durch die warme Kinderhand in meiner Hand tat uns beiden gut und versöhnte uns wieder.

Gegen *Kurzvorzehn* (!!!) und nach 10 Minuten zum zweitenmal im Bett liegend war Timo endlich eingeschlafen.

erstes Mikroskopieren

Lina experimentiert gerade sehr gerne. Da passt es ja gut, dass sie – dem Minisplitter im Finger sei Dank- entdeckt hat, das Papa ein Mikroskop hat, dass Gegenstände etwas vergrößert.

Also hat sie einen Plan gemacht und untersuchungswürdige Dinge notiert.

Beim Anschauen bekam die ganze Familie noch ganz viele Ideen, was man alles untersuchen könnte. Neben obiger Liste kam noch ein Schmetterlingsflügel, Pfeffer und der Finger dazu. Und wir sind den Tiptoibüchern auf den Grund gegangen.

Fazit: wir brauchen noch ein stärkeres Mikroskop, um die Sachen NOCH größer zu sehen.

Mama, kann ich alles machen was ich will?

Nein!

Kannst du alles machen, was du willst?

Nein!

*fragender Blick

Ich kann alles machen, solange ich niemanden störe, oder Verletze.

Wer ist der Bestimmer? Die Polizei? Und die Feuerwehr?

Es gibt Gesetze, und die Polizei schaut, dass die Gesetze eingehalten werden. Und es gibt Regeln, damit wir hier zusammenleben können und sich alle wohlfühlen.

( *so kurz die Sätze sind, so schwer ist auch die Umsetzung und Auslegungssache. Timo scheint die Antwort erst mal neues Nachdenkfutter gegeben zu haben. Er ist leise und mümmelt sein Frühstücksbrötchen weiter.)