Ich schlafe schon

Schlafzeit.

Zumindest offiziell.

Timo sieht das anders.

Nach dem Vorlesen hört Timo noch ein Hörbuch im Bett. Mama soll dabei bleiben.

„Trinken“ war schon. Eine neue Idee muss her.

Plumps. „Mama, die Mickymaus ist aus dem Bett gefallen, ich muss sie holen.“

Mama kennt ja bereits den Trick und kassiert das Stofftier ein.

„Ich lege sie zu dir, wenn du schläfst.“

Kurze Pause. Grübeln.

„Mama, ich schlafe schon! Du kannst mir die Mickymaus jetzt geben!“

Der Tod und ein Eimer Wasser

Seit ein paar Tagen verfolgen wir als komplette Familie die Fernsehserie von einem amerikanischen Landtierarzt. Wir sehen die Folgen der Begegnung von einem Hund mit einem Stinktier, wie Hengste zum Wallach gemacht werden, Hunde nach Unfällen geröntgt und Kälber bei schweren Geburten aus Mutterkühen gezogen werden. Dies sorgt für viele Fragen und Gesprächsstoff.

Timo bekam mit, dass aus unserer alten Heimat ein Nachbar verstorben ist. Er macht sich so seine Gedanken:

Man müsse ihm doch nur einen Eimer Wasser über den Kopf schütten, dann steht der bestimmt wieder auf.

Wackelzahn

Seit Monaten hat Lina den Moment herbeigesehnt. Markiert er doch sichtbar im Gesicht, dass man groß wird und bald in die Schule geht.

Heute beim Mittagessen meinte Lina, dass das beißen in den Maiskolben nicht ginge, das würde wehtun. Ich äußerte den Gedanken, dass es ja sein könnte, das im Kiefer etwas passiert und vielleicht bald die Zähne zu wackeln beginnen. Lina sprang direkt vom Platz auf, flitzte um den Tisch und schluckte noch schnell runter. Dann musste ich alle Zähne testen, ob da vielleicht einer wackelt.

Und tatsächlich. Gleich beide unten! Das Straheln wurde immer grösser. Endlich, Endlich ist sie ein Wackelzahnkimd. Lina hüpfte vor Freude im Zimmer herum und zeigte auch gleich Papa die Zähne. Auch der musste testen. Und Papa testete nicht nur, der guckte auch gleich mit seinen Argusaugen näher hin und entdeckte schon einen durchgebrochenen neuen Zahn, direkt hinter den Wackelzähnen. Das Corpus delicti wurde fotografiert, damit Lina es auch sehen konnte.

Auch wollte Lina gleich die Zahndose haben. Und zwar sofort. Und da wurde uns klar, warum Lina in den letzten Tagen so komisch ist. Die Wackelzahnpupertät. Es tut sich schließlich was im Körper.

Heute Abend dann die nächste Erkenntnis. Wackelzähne sind doof. Man hat Lust dran rumzuwickeln, aber das fühlt sich doof an, und im Kiefer tut es auch weh. Lina scheint durch ihr gesteigertes Körperempfinden auch das stärker wahrzunehmen.

Warum wollen denn alle Wackelzähne haben? Das ist voll doof. Das tut weh.

Ich habe Lina getröstet und ihr erzählt, dass sie die ganzen Zähne schon einmal bekommen hat, und da war sie noch viel viel kleiner. Sie hat das schon einmal geschafft. Und dann gab es wie in diesen Zeiten, die schon lange vorbei sind und an die sie sich Gottseidank nicht mehr erinnern kann noch Globulis.

Ein Becher Freundlichkeit

Nach einem Tag mit viel Linaaaaa, neinjetzt dasgehtmiraufdenWecker, Kannstdunichtmal, nunhördochauf, Mussichschonwieder, ichärgeremich, Tränen und viel BUMMFIEDEL habe ich mich mit Lina versöhnt und gekuschelt. Der Kuschelakku war bei uns beiden leer.

Zur Versöhnung schenkte sie mir ein Wasserfarbengefärbtes Glas mit Freundlichkeit.

Das bleibt als Mahnmal erst mal stehen.

Wir haben ein verdammt hohes Niveau der Streitkultur.

Der krönende Abschluss

Lina gleich beim Mittagessen einem *dasWortmußnochErfungenwerden. Die Worte poltern nur so aus ihr heraus. Sie fragt, erzählt, kommentiert. Es wird für unsere Ohren anstrengend.

2 Pfannkuchen wandern nebenbei auch noch in ihren Bauch. Verziert mit diversen Essenkreation. 

Irgendwann bittet sie noch um einen Nachschlag aus Kirschen und Mamillesosse. 

„Lina wir machen jetzt einen Versuch. Dein Mund geht jetzt nur noch auf zum Essen. Es kommt nichts heraus, was mit einem Wort oder mit Sprache zu tun hat.“

Lina nimmt die Challenge an. Es fällt ihr sichtlich schwer. Tapfer isst sie Löffel für Löffel, genießt und wir genießen ebenfalls. Die Stille. Diese Ruhe.

2 genußvolle Minuten später wendet sie sich zu Oma, streckt ihr den Zeigefinger entgegen und sagt: „Oma, zieh mal am Finger!“

Touché

Papa: „Lina – räumt bitte noch Euer Zeug auf dem Boden auf bevor du mit Mama los fährst.“

Lina: „Warum?“

Papa: „Weil ich diese Unordnung nicht leiden kann.“

Lina zieht mürrisch ab und murmelt in ihren imaginären Bart: „Dann wirf doch mal einen Blick in deine Werkstatt.“

😳